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CE-Consult in der Presse

Chef hört auf Betriebsrat

Küppersbusch, Gelsenkirchen. Von 165 Beschäftigten sollten 100 gehen. Das war der Plan der Geschäftsführung zur Rettung der Firma. Betriebsrat und IG Metall legten einen Alternativplan vor - und die Geschäftsführung griff ihn auf. 55 Arbeitsplätze wurden abgebaut, aber niemand betriebsbedingt gekündigt.

Betriebsrat Küppersbusch Gelsenkirchen

Sie haben geholfen, für Küppersbusch eine Zukunftschance zu entwickeln: Robert Sadowsky (IG Metall-Bevollmächtigter Gelsenkirchen), Bernd Hagemeier (Betriebsratsvorsitzender), Birgit Limbach (stellvertretende Betriebsratsvorsitzende), Frank Konietzka, Uwe Laarmann, Radek Bunkowski, Nina Ortjohann und Muhammet »Jimmy« Corbaci (es fehlen die Betriebsratsmitglieder Sabine Neumann und Sascha Krause).      FOTO: NORBERT HÜSSON

Der Herd-Hersteller Küppersbusch gehört zu Gelsenkirchen wie Schalke 04. Die Firma wurde 1875 gegründet. In der Blütezeit ihrer 140-jährigen Geschichte beschäftigte sie 3500 Menschen. 1944 wurde sie durch Bombenangriffe zerstört, dann wieder aufgebaut, 1965 von der AEG übernommen. 1982 entging sie knapp der Pleite. Und spaltete sich in zwei GmbH auf: Hausgeräte und Großküchentechnik. 1999 übernahm der spanische Teka-Konzern beide Teile, die nach wie vor einen Betriebsrat haben.

Die IG Metall schloss 2009 einen Tarifvertrag zur Standort- und Beschäftigungssicherung mit Küppersbusch: Die Belegschaft verzichtete auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, »auf insgesamt 15 Millionen Euro«, sagt der Betriebsratsvorsitzende Bernd Hagemeier. Dafür gab die Firma eine Beschäftigungsgarantie, sicherte Investitionen zu und akzeptierte mehr Mitbestimmung: Im sogenannten Lenkungsausschuss, der einmal in der Woche tagte, diskutierten Geschäftsleitung und Betriebsrat die Firmenstrategie. Auch Teka steckte Geld in die Firma, doch das Blatt wendete sich nicht. Der Umsatz ging weiter zurück. Man stand »kurz vor dem Abgrund«, sagen Insider. Die Idee der Firmenleitung, 60 Prozent der Arbeitsplätze zu streichen, sorgte für Entsetzen, zumal der Kundendienst – das Aushängeschild – ausgelagert werden sollte. Das wäre »tödlich« gewesen, sagt Bernd Hagemeier. Betriebsrat und IG Metall haben schon vor Jahren begonnen, mithilfe externer Berater Alternativ-Pläne zu entwickeln, die auf den Ideen der Beschäftigten beruhen. Die.Geschäftsführung nahm die Pläne zustimmend zur Kenntnis, konnte sie aber im Teka-Konzern nicht durchsetzen.

Vor einem Jahr übernahm Stefan Popp das Ruder (»Ich will sanieren, nicht liquidieren.«). Der neue Geschäftsführer ließ sich von den Plänen der Belegschaft überzeugen und setzte sie im Konzern durch. Die Betriebsparteien schlossen einen Interessenausgleich und Sozialplan.

Der Kundendienst bleibt im Unternehmen. Statt 100 wurden 55 Arbeitsplätze abgebaut. Die Betroffenen erhielten eine Abfindung und wechselten am 1. September für maximal zwölf Monate in eine Transfergesellschaft; sie erhalten Transfer-Kurzarbeitergeld plus Zuschuss, insgesamt 87 Prozent oder – falls kinderlos - 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens.

Für Robert Sadowsky, den Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Gelsenkirchen, sind nicht nur diese Zahlen wichtig, »sondern die neue Konzernstrategie«: Investitionen in Forschung und Entwicklung, die Qualität und das Design; außerdem der Erhalt des Kundendienstes, der »einen ausgezeichneten Ruf« genieße. Den Betriebsratsvorsitzenden freut es, dass niemand betriebsbedingt gekündigt wurde. »Das war uns besonders wichtig«, sagt er. »Und wurde möglich, weil so viele Beschäftigte in die Transfergesellschaft gewechselt sind.«    Norbert Hüsson