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CE-Consult in der Presse

Belegschaft gegen 1-Euro-Deal
DURA-Betriebsrat und Gewerkschaft wollen realistischen Standorterhalt

Dura-Belegschaft

Zum runden Tisch trafen sich gestern abend Vertreter aus der Landes- und Bundespolitik, Bürgermeister Ulrich Schulte sowie Vertreter der IG Metall und des Dura-Betriebsrates im Rathaus, um das weitere Vorgehen abzustimmen. MdB Dagmar Freitag (hi. li.) will im Mai in Washington D.C. ein Treffen mit Dura-Chefin Lynn Tilton anberaumen.      Foto: G. Dickopf

Plettenberg. Die Belegschaft von Dura Leisten und Blenden hat gestern das Angebot der US-Konzernspitze, den Bereich für einen Euro zu übernehmen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Auf der kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung in der Schützenhalle und auch am Abend beim runden Tisch kam dabei kein Zweifel daran auf, dass das Angebot nicht ernst zu nehmen und eine "Finte" sei.

Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall und Verhandlungsführer, stellt klar: "Mit diesem Angebot wäre der Standort nicht zu erhalten. es kommt der Eindruck auf, als wolle der Konzern sich möglicher Sozialplankosten entledigen. das ist mit uns nicht zu machen."

Der Dura-Betriebsrat hatte zuvor einen externen Experten eingeschaltet, der das Dura-Angebot wirtschaftlich untersuchte. Folgende Gründe haben die Belegschaft dazu veranlasst, das Angebot nicht abzunehmen:

  1. Bestehende Lieferverträge, die Dura mit dem Wissen abgeschlossen hatte, dass sie Verluste erzeugen, gehen eins zu eins über. Der daraus resultierende Verlust von einer Mio Euro pro Monat wäre von der neuen Gesellschaft zu tragen. Auch ein Sozialplan müsste von der mittellosen neuen Gesellschaft bestritten werden.
  2. In den letzten Jahren hat die Konzernspitze mehrfach neue Aufträge für die Werke im Sauerland abgelehnt. Bestehende Verträge wurden bereits verlagert.
  3. Daraus resultiert auch ein rapide sinkender Umsatz.
  4. Die Akquise neuer Aufträge dauert in der Branche zwei bis fünf Jahre, weil sie sich an die Produktionsplanung der Abnehmer orientiert.
  5. Dies ergibt einen Kapazitäts- und Personalüberhang.
  6. Dura Leisten und Blenden verfügt weder über eigene Management-Kapazitäten noch über Kontakte zu Kunden.
  7. Dura benötigt Eigenkapital (rund 50 Mio. Euro) und Bürgen zur Absicherung.

Dieser Befund betreffe zum Teil auch die Alternative des Dura-Konzerns, den Standort Plettenberg für eine „Premium-Produktion“ mit 450 Mitarbeitern erhalten zu wollen. Kasubke: „Ein Betriebsgelände, das für die Beschäftigung für fast 1.500 Menschen ausgelegt ist, wird für 450 Mitarbeiter kaum wirtschaftlich betrieben werden können. Die verlagerten Aufträge sprechen auch nicht dafür, dass hier eine große Zukunft geplant wird.“

Nachdem das Übernahmeangebot vom Tisch ist, wird es nun Zeit, dass das Unternehmen für die in Selbecke und Plettenberg beschäftigten Arbeitnehmer Verantwortung übernimmt und in ernsthafte Gespräch zum Erhalt des Unternehmens eintritt. „Zu einem solchen Gespräch auf Augenhöhe stehen alle Türen offen“, so Torsten Kasubke.

Der Gewerkschafter ruft Dura-Eigentümerin Lynn Tilton auf, sich in die Verhandlungen einzubringen: „Sie sagt, Erfolg hänge nicht vom verdienten Geld ab, sondern von den Menschen, die man berührt und denen man geholfen hat. Wer sich auf die Fahnen schreibt, Unternehmen zu führen, um Jobs zu retten, sollte sich hier anders verhalten. Sie ist eingeladen, mit uns über die Möglichkeiten zu reden, den Standort zu erhalten. Wir wollen in Tarifverhandlungen treten.“

Alternativ dazu will die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag das Gespräch mit der Geschäftsfrau bei ihrer nächsten USA-Reise suchen.     ged